11. Jahrhundert
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Bereits im 11. Jahrhundert soll sich in der
Waldeinsamkeit auf dem Gipfelplatteau des Rechberges ein Einsiedler, ein sog. Waldbruder
niedergelassen haben. Die Legende berichtet, daß er ein aus Lindenholz geschnitztes Marienbild
mitgebracht und dafür neben seiner Klause eine hölzerne Kapelle gebaut habe.
Die Bewohner der Umgebung schreiben wohl schon bald diesem Marienbild wundertätige Kraft zu und
kommen von Nah und Fern mit ihren Nöten zur "Gnadenmutter" auf den Berg.
Sicher belegt ist die Wallfahrt wohl ab dem 15. Jahrhundert. Es wird von Weihegeschenken wie Wachshände,
Wachsfüße, Herzen aus Gold und Silber berichtet, die die Gläubigen der Madonna auf dem
Rechberg gebracht haben.
Bis zum heutigen Tage wird das Gnadenbild auf dem Hohenrechberg die "Schöne Maria" genannt.
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Ende Jan. 1077
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Der 27-jährige deutsche König Heinrich IV. überquert mitten im Winter mit kleinem Gefolge die Alpen
und erscheint im Büßergewand vor der Burg Canossa, wo der 30 Jahre ältere Papst Gregor VII. weilte.
Er hatte 11 Monate vorher den König exkommuniziert und für abgesetzt erklärt und war jetzt auf dem
Weg nach Deutschland um dort mit den Fürsten und Bischöfen zusammen die Nachfolge zu regeln.
Dies war der Höhepunkt dessen, was die Geschichtsschreibung als "Investiturstreit" bezeichnet. Dabei
ging es allerdings nur vordergründig um die Investitur, d.h. die Einsetzung der Bischöfe in ihr Amt.
Es war die grundsätzliche Auseinandersetzung über die Frage, wer in einer Gesellschaft, die keine
Trennung von Kirche und Staat kennt, eigentlich die höchste Autorität besitzt, der weltliche oder der
geistliche Führer.
Der Gang nach Canossa war aber keinesfalls das Ende dieses Machtkampfes sondern nur ein taktischer
Schachzug. Statt sich mit dem Papst auseinanderzusetzten zwang König Heinrich IV. diesen in
seine Rolle als Seelsorger. Ob er wollte oder nicht mußte Papst Gregor VII. den verhängten Kirchenbann
aufheben und den für alle Welt sichtbar als Büßer vor ihm stehenden König wieder in die Kirchengemeinschaft
aufnehmen. Um den Preis, dadurch die Oberherrschaft des Papstes defacto doch anzuerkennen, hatte
Heinrich IV. damit aber erstmal den Handlungsfreiraum zurückgewonnen, den er brauchte um seine Stellung
wieder zu festigen. Der Machtkampf zwischen ihm (und seinem Nachfolger) als weltlichem Herrscher
und dem Papst ging jedoch weiter.
Was hat nun aber dieses "weltpolitische Ereignis" mit der Wallfahrtskirche auf dem Rechberg zu tun,
außer daß vielleicht gerade zu dieser Zeit ein Einsiedler hier die Kapelle für seine Marienfigur baute ?
Zumindest soviel, daß wir ohne diesen Machtkampf zwischen Kaiser und Papst heute hier keine "Kaiserberge"
hätten !
... und wem mein Ausflug in die staufische Geschichte im Zusammenhang mit der Wallfahrtskirche zu weit geht,
der kann ja ganz einfach mit dem Scrollbalken ein paar Jahrhunderte überspringen ...
Nur 6 km vom Rechberg entfernt hatte zu dieser Zeit ein Adeliger seien Sitz, dessen Vorfahren aus dem
Nördlinger Ries oder womöglich aus der Salzburger Gegend stammen: Friedrich von Büren. Zwar ist nicht
viel über ihn bekannt, aber er muß reich begütert und einflußreich gewesen sein. Anders ist nicht zu
erklären, daß er eine Frau aus einem vornehmen elsässischen Grafenhaus heiraten konnte, die späte
Nachfahrin eines Königshauses war. Etwa um das Jahr
1045 wird diesem Friedrich von Büren und seiner Frau Hildegard von Egisheim der erste Sohn geboren,
der ebenfalls wie seine männlichen Vorfahren den Namen Friedrich erhält.
Dieser junge Graf ist nun im Alter von etwa 30 Jahren auf dem Höhepunkt des
Investiturstreites einer der getreuesten Gefolgsleute des bedrängten Königs Heinrich IV. Er soll sogar
in der kleinen Gruppe vertreten gewesen sein, die den König auf seinem winterlichen Zug über die
Alpen nach Canossa begleitet hatte. Diese Treue sollte weitreichende Folgen für ihn, vor allem aber
auch für seine Nachkommen und damit auch für seine Heimat haben ...
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24.03.1079
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König Heinrich IV. feiert das Osterfest in Regensburg. Er entzieht Rudolf von Rheinfelden, der
sich trotz seines Gangs nach Canossa nur zwei Monate später gegen ihn zum Gegenkönig hatte ausrufen
lassen, das Herzogtum Schwaben und belehnt damit seinen treuen Gefolgsmann, den jungen Grafen Friedrich von Büren.
Außerdem verlobt er ihn mit seiner erst 7-jährigen einzigen Tochter Agnes.
Was als Belohnung für die Treue in der Vergangenheit ausgegeben wurde, war aber eigentlich ein
Pakt für die Zukunft. Während der König sich um seine Widersacher in Sachsen kümmern mußte,
brauchte er einen starken und verläßlichen Partner in Schwaben um Rudolf von Rheinfelden in Schach zu halten.
Seine Wahl fiel vermutlich auch deshalb auf Friedrich, weil dessen Familiensitz zwischen Rems- und Filstal
dafür strategisch besonders günstig scheinen mußte.
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Um 1085 bis 1090
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Herzog Friedrich I. von Schwaben und Schwiegersohn von Kaiser Heinrich IV. entschließt sich, einen neuen
standesgemäßen (und wehrhaften) Adelssitz zu bauen. Dem Trend der Zeit folgend zieht es ihn mit seiner neuen Burg auf die Höhe.
Direkt vor der Haustüre seiner väterlichen Burg bieten sich 3 Erhebungen an. Er entscheidet sich für den
"Stauf". Der ist zwar mit 684 m ein paar Meter niedriger als die beiden anderen, hat aber ein großes
Gipfelplatteau, das vielleicht auch schon ein römisches Castell getragen hatte. Wie es üblich ist, nennt er
sein Geschlecht künftig nach der neuen Stammburg. So gibt der kleine Zeugenberg auf der Schäbischen Alb
einer Adelsfamilie den Namen, die zum mächtigsten Herrschergeschlecht des 12. und 13. Jahrhunderts werden sollte:
die Staufer.
Nach und nach entstand zum Schutz des neuen Machtzentrums ein ganzer Ring von weiteren Burgen.
Allerdings handelte es sich dabei nicht um Adelsburgen. Hier residierten die Dienstmannen der Adelsburg, die
sog. Ministerialen. Auch auf dem Rechberg entstand im 12. Jahrhundert eine solche Ministerialenburg. Heute kann
man darüber spekulieren, warum diese nicht auf dem Gipfelplatteau sondern auf einem Felssporn, der 60 Höhenmeter tiefer
und 600 m westlich des Gipfels dem Hohenstaufen zugewandt liegt. Vielleicht weil auf dem Gipfel schon die hölzerne
Marienkapelle stand ? Vielleicht weil auf dem Felssporn zuvor schon ein römisches Castell stand ?
Vielleicht weil diese Stelle besser zu verteidigen war ? Vielleicht weil die Ministerialenburg nicht auf die
Adelsburg herunterschauen sollte (jetzt liegt sie 40 m niedriger als der Hohenstaufen, auf dem Gipfel wäre sie
20 m höher gelegen).
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22.09.1122
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Nach zähen Verhandlungen finden Kaiser Heinrich V. (Sohn und seit 1106 Nachfolger von Heinrich IV.)
und eine päpstliche Legation in Worms einen Friedensschluß
in dem nun schon mehr als 40 Jahre währenden Investiturstreit ("Wormser Konkordat"). Voraussetzung war
ein geistiger Klärungsprozeß, der zur Trennung von geistlichen und weltlichen Ämtern der Würdenträger führte und
eine deutliche Schwächung des Kaisertums im Verhältnis zur Kirche zur Folge hatte.
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23.05.1125
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Kaiser Heinrich V. stirbt kinderlos. Die salischen Hausgüter fallen als Erbe an die Neffen des verstorbenen Kaisers,
die beiden Stauferbrüder Friedrich und Konrad. Bei der 3 Monate später stattfindenden Königswahl konnte sich
Herzog Friedrich II. von Schwaben allerdings nicht durchsetzen, neuer König wurde der Sachsenherzog Lothar
von Supplinburg.
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07.03.1138
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Nachdem sich Konrad, der jüngere der beiden Stauferbrüder zum Gegenkönig hatte wählen lassen,
sich die beiden Brüder dann wieder König Lothar III. unterworfen und sogar an dessen
Italienzug und seiner Kaiserkrönung 1133 teilgenommen hatten, starb dieser im Dezember 1137.
Während der Schwiegersohn des verstorbenen Kaisers, Heinrich der Stolze von Sachen, als aussichtsreichster
Kandidat für die Nachfolge galt, gelang es dem Staufer Konrad, sich nun von einer welfenfeindlichen Minderheit
wählen zu lassen. Die Mehrheit der Fürsten akzeptierte
nachträglich die irreguläre Thronbesteigung.
Knapp 60 Jahre nachdem der damalige König Heinrich IV. dem jungen Grafen Friedrich das Herzogtum Schwaben
übertrug und ihn gleichzeitig mit seiner Tochter verlobte, ist nun also der 2. Sohn dieses Friedrichs und Enkel von Kaiser
Heinrich IV. als Konrad III. erster König aus staufischem Haus.
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15.02.1152
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Der erste staufische König, Konrad III. stirbt und wird in Bamberg begraben. Nachdem sein ältester Sohn Heinrich, den
schon 1147 vor dem Abmarsch zum Kreuzzug zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, inzwischen verstorben und der
jüngere Sohn noch minderjährig war,
designiert er nun seinen Neffen und zwischenzeitlichen Herzog von Schwaben, Friedrich (Barbarossa) zum Nachfolger.
Im Mai des gleichen Jahres wird dieser als Friedrich I. in Frankfurt zum König gewählt und in Aachen gekrönt
und empfängt als erster Staufer am 18. Juni 1155 in Rom die Kaiserkrone.
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22.01.1179
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In einer Urkunde Kaiser Friedrich I. Barbarossas wird als Zeuge ein Ulrich von Rechberg genannt. Dies ist die
erste urkundliche Erwähnung dieses Geschlechts und damit auch ihrer Burg. Der Ministeriale
Ulrich von Rechberg hatte offenbar eine herausragende Stellung unter den schwäbischen Rittern. Er ist
zunächst Kastellan der Burg Hohensaufen und ab 1194 Marschall des Herzogtums Schwaben.
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25.05.1181
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Einziger urkundlich gesicherter Aufenthalt von Kaiser Friedrich I. Barbarossa auf dem Hohenstaufen, der von
seinem Großvater erbauten Stammburg.
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10.06.1190
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Kaiser Friedrich I. Barbarossa ertrinkt auf dem Kreuzzug in Kleinasien. Nachfolger wird sein Sohn Heinrich VI.,
der bereits im Folgejahr die Kaiserkrone empfängt.
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1194 bis 1200
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Ulrich von Rechberg und sein Sohn Hildebrandt tauchen als Begleiter Kaiser Heinrichs VI. und dessen
Nachfolger König Philip von Schwaben auf.
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1211
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Als Heinrich VI. 1197 verstarb war sein Sohn Friedrich noch keine 3 Jahre alt. Deshalb übernahm zunächst
Heinrichs jüngster Bruder, Philipp von Schwaben für seinen Neffen die Königskrone. Aber auch als Philipp
von Schwaben am 21.6.1208 ermordet wurde, war der junge Friedrich, der in der Obhut des Papstes in
Sizilien erzogen wurde, noch nicht einmal 14 Jahre alt. Drei Jahre später wurde er auf Betreiben des Papstes gegen den
inzwischen regierenden Welfen Otto IV. von den deutschen Fürsten zum König gewählt. Nachdem er
nach Deutschland gekommen war, ließ sich Friedrich II. im Dezember 1212 in einer Nachwahl bestätigen.
Er war damit der 5. König in der 4. Generation aus dem staufischen Geschlecht.
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29.10.1268
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Konradin, der inzwischen 15-jährige Sohn König Konrads IV. und Enkel von Kaiser Friedrich II. zieht nach Italien
um sein Erbe anzutreten.
Mit seiner Enthauptung auf dem Marktplatz von Neapel durch Karl von Anjou stirbt der letzte legitime
männliche Erbe des staufischen Kaiserhauses.
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1322
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In Urkunden taucht erstmals der Name "Hohenrechberg" auf.
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1350
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Das heute in der Wallfahrtskirche befindliche Gnadenbild der "'Schönen Maria" ist
vermutlich Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden.
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1424
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Eine Pergamenturkunde als Bestandteil des Ellwanger Stiftsarchivs, heute im Staatsarchiv Stuttgart,
bezeugt das Bestehen des Heiligtums Unserer lieben Frau auf dem Rechberg. Aussteller dieser Urkunde
ist der Ritter Heinrich von Rechberg. Er verkauft als Grund- und Patronatsherr zwei Höfe zu Heuchlingen
und ein Gütchen zu Honeck an die "Pfleger des Gotzhuses und der Capellen unserer lieben Frauen
zu Rechberg uff dem berge".
Es muß also also zu diesem Zeitpunkt bereits eine ansehnliche Kirchenstiftung bestanden haben.
Erstens deutet die Doppelnennung "Gotzhus und Capellen" darauf hin und zweitens die
ansehnliche Summe von 2858 Gulden.
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ca. 1488
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Graf Ulrich von Rechberg läßt an einem anderen Platz auf dem Berg statt der hölzernen Kapelle eine
steinerne Kirche errichten und stiftet zusammen mit seiner Frau Anna von Veringen einige Vermächtnisse
zur Unterhaltung eines Priesters.
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1510
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Eine Urkunde berichtet, der Bischof von Augsburg habe in der Kapelle zu Rechberg einen Altarstein geweiht.
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1525
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Die Burg Hohenstaufen wird von aufständischen Bauern niedergebrannt und zerstört.
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1651
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In seinem Heimatort Au im Hinteren Bregenzerwald begründet der Baumeister Michael Beer eine
Bauhandwerkerzunft für Maurer (Baumeister), Zimmerleute, später auch Steinmetze und Stukkateure, die "Auer Zunft".
Baumeister aus Vorarlberg und insbesondere aus dem Bregenzerwald waren dabei, die Vorherrschaft der Graubündner
Baumeister im frühbarocken Kirchenbau Süddeutschlands zurückzudrängen. Michael Beer war in den 20er Jahren
einem Zug nach Osten gefolgt, der die Bildhauer dieser Zeit nach Salzburg, ins südöstliche Oberbayern, in das
Innviertel und nach Österreicht führte. Beer erhielt seine Ausbildung in Niederösterreich und hat dann wohl die
Kirchenarchitektur Österreichs, Oberitaliens und Schwabens kennengelernt.
Erst nach Ende des 30-jährigen
Krieges kehrt der etwa 45-jährige Beer in seine Heimat zurück. Zu dieser Zeit baut Michael Beer die Stiftskirche
der Augustiner-Chorherren von Kreuzlingen, die Pfarrkirche von Bludesch und vor allem die erste monumentale
Neuschöpfung kirchlicher Baukunst auf deutschem Boden, das Fürststift in Kempten. Im ersten "Auer Zunftbuch" von
1657 ist er als "Anfänger der Laadt" genannt, erste Einträge stammen jedoch schon von 1651.
Diese "Auer Zunft" sollte sich zur wichtigsten Bauhandwerkerzunft Vorarlbergs entwickeln und den barocken Kirchenbau
in Vorarlberg, Oberschwaben, im Schwarzwald und in der Schweiz entscheidend prägen. Lag der zeitliche Schwerpunkt
zwischen 1650 und 1780, so hat sich die Tätigkeit Vorarlberger Stukkatoren vereinzelt bis weit ins 19. Jahrhundert
behauptet. Bis zur langsamen Auflösung der Auer Zunft ab 1842 hat Vorarlberg seit Gründung der Auer Zunft mehr
als 800 bisher bekannte Baumeister und Bauhandwerker hergebracht. Allein die Auer Zunft hat innerhalb von 130 Jahren
1814 Lehrlinge ausgebildet. Rund 800 Bauaufträge an Vorarlberger Baumeister sind heute bekannt, mehr als 200
Neuschöpfungen von Kirchen und Kapellen, 60 % davon entfallen auf Mitglieder der Auer Zunft.
Die Auer Zunft war als Bauhandwerkerzunft nicht nur ein Berufsverband sondern zugleich auch eine kirchliche
Bruderschaft, d.h. eine Art "weltlicher Orden" mit einem Zunftmeister und einem Brudermeister an der Spitze.
Zu den Grundsätzen gehörte, daß man sich gegenseitig keine Konkurrenz machte, daß man bevorzugt mit anderen
Mitgliedern der Zunft zusammenarbeitete und daß ein begonnenes Werk eines verstorbenen Zunftmitgliedes ohne
Änderungen an seinen Plänen fertiggestellt wurde.
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26.03.1652
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In Au im Bregenzerwald wird Valerian Brenner als Sohn von Johann Brenner und Anna Willi geboren.
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1659
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Der etwa 19-jährige Michael Thumb, ein Neffe von Michael Beer wird Mitglied der Auer Zunft und wird vermutlich
primär von seinem Onkel ausgebildet.
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1665
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Michael Thumb erscheint ab jetzt als Mitarbeiter und Werkfortführer seines Onkels Michael Beer.
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30.05.1666
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Auf dem Heimritt von Ebersberg in Oberbayern, wo Michael Beer das Jesuitenkolleg baut, kommt er durch
einen Unglücksfall ums Leben.
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1667 - 1670
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Lehre von Valerian Brenner in der Auer Zunft. Ledigsprechung durch Meister Willi Hans, sein eigentlicher Lehrer
aber ist Michael Thumb.
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1670
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Michael Thumb formt den Gemeinderaum der Stiftskirche Wettenhausen als Tonnensaal mit
quertonnengewölbten Querarmen. So bildet sich bei den vorarlberger Baumeistern das Kreuzmotiv zunächst in
Verbindung mit dem einräumigen Saal heraus. Eventuell arbeitet hier Valerian Brenner bereits mit Michael Thumb.
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1674
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Valerian Brenner tritt ab jetzt (bis 1688) in der Auer Zunft als Lehrmeister oder Zeuge bei Ledigsprechungen auf.
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1674 - 1677
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Michael Thumb baut das Fanziskanerkloster in Günzburg. Eventuell ist auch hier Valerian Brenner bei ihm tätig.
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23.05.1678
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Valerian Brenner heiratet in Günzburg und läßt sich dort als Maurer und Baumeister nieder.
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1682
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Michael Thumb beginnt den Bau der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg über Ellwangen und wendet dabei, wie
auch in der 4 Jahre später begonnenen Stiftskirche von Obermarchtal das sog. Wandpfeilersystem an. Er hat diesen
Typ zwar nicht erfunden und der ist auch nicht ausschließlich bei den Vorarlberger Baumeistern zu finden, kam
jedoch bei ihnen in der Folge so oft zur Anwendung, daß später der Begriff "Vorarlberger Münsterschema" geprägt wurde.
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1684
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Valerian Brenner baut bei der Wallfahrtskirche Biberbach den Gemeinderaum als Tonnen-Kreuzarm.
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1686
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Michael Thumb baut in der oberbayerischen Wallfahrtskirche Grafrath wieder einen Tonnen-Kreuzraum und beginnt
die Stiftskirche in Obermarchtal wie 4 Jahre zuvor die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg über Ellwangen als
Wandpfeilerhalle.
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1686 - 1688
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Nachdem die Wallfahrt auf dem Rechberg derart zugenommen hatte, daß auch die inzwischen schon wieder
200 Jahre alte Steinkirche zu klein wurde, veranlassen Graf Bernhard Bero von Rechberg und dessen Sohn
Franz Albert den Bau einer neuen Kirche. Diese entsteht nun allerdings wieder am Platz der ursprünglichen
Holzkapelle. Die Steinkirche von 1488 wird zum Pfarrhaus umgewandelt.
Als Baumeister für die neue Kirche wird der in Günzburg ansässige Vorarlberger Valerian Brenner gewonnen.
Er wählt auch hier den Typ einer Saalkirche mit sich kreuzendem Tonnengewölbe auf dem Grundriß eines
griechischen Kreuzes (= Kreuz mit 4 gleich langen Armen).
Die Grundsteinlegung zur neuen Kirche findet am 22. April 1686 in Gegenwart der Gesandten der Bischöfe von
Konstanz und Augsburg statt. Vermutlich gehörte der Rechberg bis zu diesem Jahr zum Bistum Augsburg,
nach 1686 aber definitiv zum Bistum Konstanz.
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1687
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Baumeister Valerian Brenner ist als Palier unter Michael Thumb an der Prälatur des Chorherrenstiftes Hl. Kreuz
in Augsburg beschäftigt und bleibt ab diesem Jahr in Diensten des Augsburger Domkapitels.
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19.02.1690
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Baumeister Michael Thumb stirbt etwa 50-jährig in Bezau im Bregenzerwald.
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1692
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Valerian Brenner wird als Fürstbischöflicher Augsburgischer Baumeister genannt.
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1699
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Graf Adalbert von Rechberg stiftet ein beständiges Benefizium. Zwar kommt die Errichtung der Pfarrei jetzt noch
nicht zustande, aber der Grundstein für die heute noch bestehende Pfarrstelle ist damit gelegt.
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1708
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Valerian Brenner ist in Günzburg Mitglied des "inneren Rates" der Stadt.
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27.04.1715
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Baumeister Valerian Brenner stirbt im Alter von 63 Jahren in Günzburg.
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18.06.1726
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Graf Alois Clemens von Rechberg stiftet die Kaplanei erneut und stattet sie durch Widerruf der alten Stifung
besser aus.
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1746
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Der Vorarlberger Baumeister Peter Thumb (geb. 18.12.1681 in Bezau, Sohn von Michael Thumb, dem Lehrmeister von
Valerian Brenner) errichtet mit der Birnau am Bodensee ein Meisterwerk der deutschen Rokoko-Architektur.
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1755-57 / 1761-64
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Peter Thumb und Johann Michael I. Beer von Bildstein (geb. 1696 in Au) erstellen mit der Stiftskirche in St. Gallen
den letzten großen Kirchenbau der Vorarlberger Barockbaumeister.
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15.06.1767
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Hohenrechberg wird von Waldstetten getrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben.
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29.04.1779
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Im Chor der Kirche wird das Bild "Christus im Kerker" von Michael Schuster aus Kellmünz aufgestellt.
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18.10.1806
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Das Gnadenbild des Hl. Bernhard wird vom Bernhardusberg (774m, ca. 7 km östlich des Rechberges)
in die Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg übertragen. Der linke Seitenaltar wird zum Bernhardusaltar.
Diese Bildnis des Hl. Bernhard wurde schon im 17. Jahrhundert in einer Kapelle auf dem Bernhardusberg
zum Gnadenbild. Am 21.06.1733 wurde es dort in eine neue geräumige Kirche übertragen. Da diese Kirche nun
ab 1809 wieder abgebrochen wurde, kam das Gnadenbild in die Kirche auf den Hohenrechberg.
Auf dem Platz der ehemaligen Kirche auf dem Bernhardusberg errichtete Graf Otto von Rechberg im Jahre 1880
wieder eine Bernharduskapelle, das Gnadenbild verblieb jedoch auf dem Hohenrechberg.
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1807
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Das Dorf Rechberg aus den Teilen Hinter- und Vorderweiler kommt bei der Auflösung der selbständigen
Ritterkantone zum württembergischen Oberamt Gmünd.
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06.01.1865
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Die nie eingenommene Burg Hohenrechberg wird während eines Wintergewitters von Blitz getroffen und
durch das ausbrechende Feuer zum Teil zerstört.
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1947 ff.
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An der Wallfahrts- und Pfarrkirche auf dem Hohenrechberg werden die Kriegsschäden am Kirchendach
behoben und neue Kirchenfenster beschafft.
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1961-63
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Unter Leitung von Josef Lutz aus Leutkirch wird zunächst eine gründliche Innenrenovierung und anschließend
eine Außenrenovierung der Kirche durchgeführt.
Bei den Arbeiten für die Heizungsanlage kommt eine kleine ummauerte Grabgruft zum Vorschein, in der sich
ein 1,80 m langer und 80 cm breiter Sarg befindet. Dieser ist an 8 Stellen mit einem plastischen Kopf verziert. Die Strenge
der Darstellung weist eher in die Renaissance als ins Barock, so daß der Sarg vermutlich schon vor der Errichtung
der heutigen Kirche hier eingemauert wurde. Außerdem findet man 50 cm unter dem heutigen Bodenniveau
einen Plattenboden, aus den gleichen Schamottsteinen gemauert wie die Grabgruft. Dieser wird als Fundament
des Vorgängerbaus angesehen. Das würde allerdings bedeuten, daß es zwischen der ursprünglichen Holzkapelle
und der heutigen Kirche einen weiteren Bau an dieser Stelle gegeben hätte.
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20.08.1964
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Erwerb des Taufbrunnens aus der Pfarrkirche zu Reichenhofen im Allgäu, der vermutlich um 1775 entstand.
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1967-68
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Einbau einer neuen Kirchenorgel durch die Firma Paul Köberle.
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1975
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Die Gemeinde Rechberg wird Ortsteil der Stadt Schwäbisch Gmünd.
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