Kath. Wallfahrts- und Pfarrkirche
St.Maria auf dem Hohenrechberg, Schwäbisch Gmünd


Typ: Barocke Saalkirche auf dem Grundriß eines griechischen Kreuzes
mit gekreuzter Tonnenwölbung,
Chorraum innen halbrund geschlossen, außen mit 3/8-Schluß
Grundsteinlegung:22.04.1686
Einweihung:1688
Baumeister: Valerian Brenner aus Günzburg,
Geboren im Bregenzerwald und Mitglied der Auer Zunft





Auf der Ostalb zwischen Remstal und Filstal ragen 3 Bergkegel um 200 bis 300 Meter aus ihrer Umgebung heraus, die heute die "Kaiserberge" genannt werden. Es handelt sich dabei um sog. Zeugenberge, die als Reste einer abgetragenen Schichtstufe übriggeblieben sind und davon Zeugnis ablegen, daß sie einst mit dem heute ca. 10 km entfernten geschlossenen Rand der Alb verbunden waren.

Zwei von ihnen verdanken ihre Namen ihrer Form eines umgedrehten Kelches: der "Stuifen" im Osten und der "Staufen" im Westen, zirka 7 km voneinander entfernt ("Stauf" = Kelch). Dazwischen, etwas nach Norden aus der direkten Verbindungslinie der beiden anderen gerückt, erhebt sich der Rechberg. Seine Bezeichnung geht wohl auf "Rehberg" zurück und deutet auf den Wildreichtum des bewaldeten Berges hin.

Während der höchste von ihnen, der 757 Meter hohe Stuifen bis heute nicht bebaut ist, wurde der 684 Meter hohe Staufen Ende des 11. Jahrhunderts zum Stammsitz des bedeutendsten Herrschergeschlechtes im 12. und 13. Jahrhundert. Der Mittlere, sowohl nach Lage als auch nach Höhe, der 707 Meter hohe Rechberg, trägt auf seinem Gipfel die Wallfahrtskirche, die hier beschrieben wird.

Zeittafel:
Vorgeschichte, Baugeschichte, Pfarreigeschichte
eingebettet in das kultur- und kunstgeschichtliche Umfeld
grau = Allgemein-historischer Kontext
grün = Kunsthistorischer Kontext

11. Jahrhundert

Bereits im 11. Jahrhundert soll sich in der Waldeinsamkeit auf dem Gipfelplatteau des Rechberges ein Einsiedler, ein sog. Waldbruder niedergelassen haben. Die Legende berichtet, daß er ein aus Lindenholz geschnitztes Marienbild mitgebracht und dafür neben seiner Klause eine hölzerne Kapelle gebaut habe.
Die Bewohner der Umgebung schreiben wohl schon bald diesem Marienbild wundertätige Kraft zu und kommen von Nah und Fern mit ihren Nöten zur "Gnadenmutter" auf den Berg.
Sicher belegt ist die Wallfahrt wohl ab dem 15. Jahrhundert. Es wird von Weihegeschenken wie Wachshände, Wachsfüße, Herzen aus Gold und Silber berichtet, die die Gläubigen der Madonna auf dem Rechberg gebracht haben.
Bis zum heutigen Tage wird das Gnadenbild auf dem Hohenrechberg die "Schöne Maria" genannt.

Ende Jan. 1077

Der 27-jährige deutsche König Heinrich IV. überquert mitten im Winter mit kleinem Gefolge die Alpen und erscheint im Büßergewand vor der Burg Canossa, wo der 30 Jahre ältere Papst Gregor VII. weilte. Er hatte 11 Monate vorher den König exkommuniziert und für abgesetzt erklärt und war jetzt auf dem Weg nach Deutschland um dort mit den Fürsten und Bischöfen zusammen die Nachfolge zu regeln. Dies war der Höhepunkt dessen, was die Geschichtsschreibung als "Investiturstreit" bezeichnet. Dabei ging es allerdings nur vordergründig um die Investitur, d.h. die Einsetzung der Bischöfe in ihr Amt. Es war die grundsätzliche Auseinandersetzung über die Frage, wer in einer Gesellschaft, die keine Trennung von Kirche und Staat kennt, eigentlich die höchste Autorität besitzt, der weltliche oder der geistliche Führer.
Der Gang nach Canossa war aber keinesfalls das Ende dieses Machtkampfes sondern nur ein taktischer Schachzug. Statt sich mit dem Papst auseinanderzusetzten zwang König Heinrich IV. diesen in seine Rolle als Seelsorger. Ob er wollte oder nicht mußte Papst Gregor VII. den verhängten Kirchenbann aufheben und den für alle Welt sichtbar als Büßer vor ihm stehenden König wieder in die Kirchengemeinschaft aufnehmen. Um den Preis, dadurch die Oberherrschaft des Papstes defacto doch anzuerkennen, hatte Heinrich IV. damit aber erstmal den Handlungsfreiraum zurückgewonnen, den er brauchte um seine Stellung wieder zu festigen. Der Machtkampf zwischen ihm (und seinem Nachfolger) als weltlichem Herrscher und dem Papst ging jedoch weiter.

Was hat nun aber dieses "weltpolitische Ereignis" mit der Wallfahrtskirche auf dem Rechberg zu tun, außer daß vielleicht gerade zu dieser Zeit ein Einsiedler hier die Kapelle für seine Marienfigur baute ?

Zumindest soviel, daß wir ohne diesen Machtkampf zwischen Kaiser und Papst heute hier keine "Kaiserberge" hätten !

... und wem mein Ausflug in die staufische Geschichte im Zusammenhang mit der Wallfahrtskirche zu weit geht, der kann ja ganz einfach mit dem Scrollbalken ein paar Jahrhunderte überspringen ...


Nur 6 km vom Rechberg entfernt hatte zu dieser Zeit ein Adeliger seien Sitz, dessen Vorfahren aus dem Nördlinger Ries oder womöglich aus der Salzburger Gegend stammen: Friedrich von Büren. Zwar ist nicht viel über ihn bekannt, aber er muß reich begütert und einflußreich gewesen sein. Anders ist nicht zu erklären, daß er eine Frau aus einem vornehmen elsässischen Grafenhaus heiraten konnte, die späte Nachfahrin eines Königshauses war. Etwa um das Jahr 1045 wird diesem Friedrich von Büren und seiner Frau Hildegard von Egisheim der erste Sohn geboren, der ebenfalls wie seine männlichen Vorfahren den Namen Friedrich erhält.
Dieser junge Graf ist nun im Alter von etwa 30 Jahren auf dem Höhepunkt des Investiturstreites einer der getreuesten Gefolgsleute des bedrängten Königs Heinrich IV. Er soll sogar in der kleinen Gruppe vertreten gewesen sein, die den König auf seinem winterlichen Zug über die Alpen nach Canossa begleitet hatte. Diese Treue sollte weitreichende Folgen für ihn, vor allem aber auch für seine Nachkommen und damit auch für seine Heimat haben ...

24.03.1079

König Heinrich IV. feiert das Osterfest in Regensburg. Er entzieht Rudolf von Rheinfelden, der sich trotz seines Gangs nach Canossa nur zwei Monate später gegen ihn zum Gegenkönig hatte ausrufen lassen, das Herzogtum Schwaben und belehnt damit seinen treuen Gefolgsmann, den jungen Grafen Friedrich von Büren. Außerdem verlobt er ihn mit seiner erst 7-jährigen einzigen Tochter Agnes.
Was als Belohnung für die Treue in der Vergangenheit ausgegeben wurde, war aber eigentlich ein Pakt für die Zukunft. Während der König sich um seine Widersacher in Sachsen kümmern mußte, brauchte er einen starken und verläßlichen Partner in Schwaben um Rudolf von Rheinfelden in Schach zu halten. Seine Wahl fiel vermutlich auch deshalb auf Friedrich, weil dessen Familiensitz zwischen Rems- und Filstal dafür strategisch besonders günstig scheinen mußte.

Um 1085 bis 1090

Herzog Friedrich I. von Schwaben und Schwiegersohn von Kaiser Heinrich IV. entschließt sich, einen neuen standesgemäßen (und wehrhaften) Adelssitz zu bauen. Dem Trend der Zeit folgend zieht es ihn mit seiner neuen Burg auf die Höhe. Direkt vor der Haustüre seiner väterlichen Burg bieten sich 3 Erhebungen an. Er entscheidet sich für den "Stauf". Der ist zwar mit 684 m ein paar Meter niedriger als die beiden anderen, hat aber ein großes Gipfelplatteau, das vielleicht auch schon ein römisches Castell getragen hatte. Wie es üblich ist, nennt er sein Geschlecht künftig nach der neuen Stammburg. So gibt der kleine Zeugenberg auf der Schäbischen Alb einer Adelsfamilie den Namen, die zum mächtigsten Herrschergeschlecht des 12. und 13. Jahrhunderts werden sollte: die Staufer.

Nach und nach entstand zum Schutz des neuen Machtzentrums ein ganzer Ring von weiteren Burgen. Allerdings handelte es sich dabei nicht um Adelsburgen. Hier residierten die Dienstmannen der Adelsburg, die sog. Ministerialen. Auch auf dem Rechberg entstand im 12. Jahrhundert eine solche Ministerialenburg. Heute kann man darüber spekulieren, warum diese nicht auf dem Gipfelplatteau sondern auf einem Felssporn, der 60 Höhenmeter tiefer und 600 m westlich des Gipfels dem Hohenstaufen zugewandt liegt. Vielleicht weil auf dem Gipfel schon die hölzerne Marienkapelle stand ? Vielleicht weil auf dem Felssporn zuvor schon ein römisches Castell stand ? Vielleicht weil diese Stelle besser zu verteidigen war ? Vielleicht weil die Ministerialenburg nicht auf die Adelsburg herunterschauen sollte (jetzt liegt sie 40 m niedriger als der Hohenstaufen, auf dem Gipfel wäre sie 20 m höher gelegen).

22.09.1122

Nach zähen Verhandlungen finden Kaiser Heinrich V. (Sohn und seit 1106 Nachfolger von Heinrich IV.) und eine päpstliche Legation in Worms einen Friedensschluß in dem nun schon mehr als 40 Jahre währenden Investiturstreit ("Wormser Konkordat"). Voraussetzung war ein geistiger Klärungsprozeß, der zur Trennung von geistlichen und weltlichen Ämtern der Würdenträger führte und eine deutliche Schwächung des Kaisertums im Verhältnis zur Kirche zur Folge hatte.

23.05.1125

Kaiser Heinrich V. stirbt kinderlos. Die salischen Hausgüter fallen als Erbe an die Neffen des verstorbenen Kaisers, die beiden Stauferbrüder Friedrich und Konrad. Bei der 3 Monate später stattfindenden Königswahl konnte sich Herzog Friedrich II. von Schwaben allerdings nicht durchsetzen, neuer König wurde der Sachsenherzog Lothar von Supplinburg.

07.03.1138

Nachdem sich Konrad, der jüngere der beiden Stauferbrüder zum Gegenkönig hatte wählen lassen, sich die beiden Brüder dann wieder König Lothar III. unterworfen und sogar an dessen Italienzug und seiner Kaiserkrönung 1133 teilgenommen hatten, starb dieser im Dezember 1137. Während der Schwiegersohn des verstorbenen Kaisers, Heinrich der Stolze von Sachen, als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge galt, gelang es dem Staufer Konrad, sich nun von einer welfenfeindlichen Minderheit wählen zu lassen. Die Mehrheit der Fürsten akzeptierte nachträglich die irreguläre Thronbesteigung. Knapp 60 Jahre nachdem der damalige König Heinrich IV. dem jungen Grafen Friedrich das Herzogtum Schwaben übertrug und ihn gleichzeitig mit seiner Tochter verlobte, ist nun also der 2. Sohn dieses Friedrichs und Enkel von Kaiser Heinrich IV. als Konrad III. erster König aus staufischem Haus.

15.02.1152

Der erste staufische König, Konrad III. stirbt und wird in Bamberg begraben. Nachdem sein ältester Sohn Heinrich, den schon 1147 vor dem Abmarsch zum Kreuzzug zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, inzwischen verstorben und der jüngere Sohn noch minderjährig war, designiert er nun seinen Neffen und zwischenzeitlichen Herzog von Schwaben, Friedrich (Barbarossa) zum Nachfolger. Im Mai des gleichen Jahres wird dieser als Friedrich I. in Frankfurt zum König gewählt und in Aachen gekrönt und empfängt als erster Staufer am 18. Juni 1155 in Rom die Kaiserkrone.

22.01.1179

In einer Urkunde Kaiser Friedrich I. Barbarossas wird als Zeuge ein Ulrich von Rechberg genannt. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung dieses Geschlechts und damit auch ihrer Burg. Der Ministeriale Ulrich von Rechberg hatte offenbar eine herausragende Stellung unter den schwäbischen Rittern. Er ist zunächst Kastellan der Burg Hohensaufen und ab 1194 Marschall des Herzogtums Schwaben.

25.05.1181

Einziger urkundlich gesicherter Aufenthalt von Kaiser Friedrich I. Barbarossa auf dem Hohenstaufen, der von seinem Großvater erbauten Stammburg.

10.06.1190

Kaiser Friedrich I. Barbarossa ertrinkt auf dem Kreuzzug in Kleinasien. Nachfolger wird sein Sohn Heinrich VI., der bereits im Folgejahr die Kaiserkrone empfängt.

1194 bis 1200

Ulrich von Rechberg und sein Sohn Hildebrandt tauchen als Begleiter Kaiser Heinrichs VI. und dessen Nachfolger König Philip von Schwaben auf.

1211

Als Heinrich VI. 1197 verstarb war sein Sohn Friedrich noch keine 3 Jahre alt. Deshalb übernahm zunächst Heinrichs jüngster Bruder, Philipp von Schwaben für seinen Neffen die Königskrone. Aber auch als Philipp von Schwaben am 21.6.1208 ermordet wurde, war der junge Friedrich, der in der Obhut des Papstes in Sizilien erzogen wurde, noch nicht einmal 14 Jahre alt. Drei Jahre später wurde er auf Betreiben des Papstes gegen den inzwischen regierenden Welfen Otto IV. von den deutschen Fürsten zum König gewählt. Nachdem er nach Deutschland gekommen war, ließ sich Friedrich II. im Dezember 1212 in einer Nachwahl bestätigen. Er war damit der 5. König in der 4. Generation aus dem staufischen Geschlecht.

29.10.1268

Konradin, der inzwischen 15-jährige Sohn König Konrads IV. und Enkel von Kaiser Friedrich II. zieht nach Italien um sein Erbe anzutreten. Mit seiner Enthauptung auf dem Marktplatz von Neapel durch Karl von Anjou stirbt der letzte legitime männliche Erbe des staufischen Kaiserhauses.

1322

In Urkunden taucht erstmals der Name "Hohenrechberg" auf.

1350

Das heute in der Wallfahrtskirche befindliche Gnadenbild der "'Schönen Maria" ist vermutlich Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden.

1424

Eine Pergamenturkunde als Bestandteil des Ellwanger Stiftsarchivs, heute im Staatsarchiv Stuttgart, bezeugt das Bestehen des Heiligtums Unserer lieben Frau auf dem Rechberg. Aussteller dieser Urkunde ist der Ritter Heinrich von Rechberg. Er verkauft als Grund- und Patronatsherr zwei Höfe zu Heuchlingen und ein Gütchen zu Honeck an die "Pfleger des Gotzhuses und der Capellen unserer lieben Frauen zu Rechberg uff dem berge".
Es muß also also zu diesem Zeitpunkt bereits eine ansehnliche Kirchenstiftung bestanden haben. Erstens deutet die Doppelnennung "Gotzhus und Capellen" darauf hin und zweitens die ansehnliche Summe von 2858 Gulden.

ca. 1488

Graf Ulrich von Rechberg läßt an einem anderen Platz auf dem Berg statt der hölzernen Kapelle eine steinerne Kirche errichten und stiftet zusammen mit seiner Frau Anna von Veringen einige Vermächtnisse zur Unterhaltung eines Priesters.

1510

Eine Urkunde berichtet, der Bischof von Augsburg habe in der Kapelle zu Rechberg einen Altarstein geweiht.

1525

Die Burg Hohenstaufen wird von aufständischen Bauern niedergebrannt und zerstört.

1651

In seinem Heimatort Au im Hinteren Bregenzerwald begründet der Baumeister Michael Beer eine Bauhandwerkerzunft für Maurer (Baumeister), Zimmerleute, später auch Steinmetze und Stukkateure, die "Auer Zunft".

Baumeister aus Vorarlberg und insbesondere aus dem Bregenzerwald waren dabei, die Vorherrschaft der Graubündner Baumeister im frühbarocken Kirchenbau Süddeutschlands zurückzudrängen. Michael Beer war in den 20er Jahren einem Zug nach Osten gefolgt, der die Bildhauer dieser Zeit nach Salzburg, ins südöstliche Oberbayern, in das Innviertel und nach Österreicht führte. Beer erhielt seine Ausbildung in Niederösterreich und hat dann wohl die Kirchenarchitektur Österreichs, Oberitaliens und Schwabens kennengelernt.

Erst nach Ende des 30-jährigen Krieges kehrt der etwa 45-jährige Beer in seine Heimat zurück. Zu dieser Zeit baut Michael Beer die Stiftskirche der Augustiner-Chorherren von Kreuzlingen, die Pfarrkirche von Bludesch und vor allem die erste monumentale Neuschöpfung kirchlicher Baukunst auf deutschem Boden, das Fürststift in Kempten. Im ersten "Auer Zunftbuch" von 1657 ist er als "Anfänger der Laadt" genannt, erste Einträge stammen jedoch schon von 1651.

Diese "Auer Zunft" sollte sich zur wichtigsten Bauhandwerkerzunft Vorarlbergs entwickeln und den barocken Kirchenbau in Vorarlberg, Oberschwaben, im Schwarzwald und in der Schweiz entscheidend prägen. Lag der zeitliche Schwerpunkt zwischen 1650 und 1780, so hat sich die Tätigkeit Vorarlberger Stukkatoren vereinzelt bis weit ins 19. Jahrhundert behauptet. Bis zur langsamen Auflösung der Auer Zunft ab 1842 hat Vorarlberg seit Gründung der Auer Zunft mehr als 800 bisher bekannte Baumeister und Bauhandwerker hergebracht. Allein die Auer Zunft hat innerhalb von 130 Jahren 1814 Lehrlinge ausgebildet. Rund 800 Bauaufträge an Vorarlberger Baumeister sind heute bekannt, mehr als 200 Neuschöpfungen von Kirchen und Kapellen, 60 % davon entfallen auf Mitglieder der Auer Zunft.
Die Auer Zunft war als Bauhandwerkerzunft nicht nur ein Berufsverband sondern zugleich auch eine kirchliche Bruderschaft, d.h. eine Art "weltlicher Orden" mit einem Zunftmeister und einem Brudermeister an der Spitze. Zu den Grundsätzen gehörte, daß man sich gegenseitig keine Konkurrenz machte, daß man bevorzugt mit anderen Mitgliedern der Zunft zusammenarbeitete und daß ein begonnenes Werk eines verstorbenen Zunftmitgliedes ohne Änderungen an seinen Plänen fertiggestellt wurde.

26.03.1652

In Au im Bregenzerwald wird Valerian Brenner als Sohn von Johann Brenner und Anna Willi geboren.

1659

Der etwa 19-jährige Michael Thumb, ein Neffe von Michael Beer wird Mitglied der Auer Zunft und wird vermutlich primär von seinem Onkel ausgebildet.

1665

Michael Thumb erscheint ab jetzt als Mitarbeiter und Werkfortführer seines Onkels Michael Beer.

30.05.1666

Auf dem Heimritt von Ebersberg in Oberbayern, wo Michael Beer das Jesuitenkolleg baut, kommt er durch einen Unglücksfall ums Leben.

1667 - 1670

Lehre von Valerian Brenner in der Auer Zunft. Ledigsprechung durch Meister Willi Hans, sein eigentlicher Lehrer aber ist Michael Thumb.

1670

Michael Thumb formt den Gemeinderaum der Stiftskirche Wettenhausen als Tonnensaal mit quertonnengewölbten Querarmen. So bildet sich bei den vorarlberger Baumeistern das Kreuzmotiv zunächst in Verbindung mit dem einräumigen Saal heraus. Eventuell arbeitet hier Valerian Brenner bereits mit Michael Thumb.

1674

Valerian Brenner tritt ab jetzt (bis 1688) in der Auer Zunft als Lehrmeister oder Zeuge bei Ledigsprechungen auf.

1674 - 1677

Michael Thumb baut das Fanziskanerkloster in Günzburg. Eventuell ist auch hier Valerian Brenner bei ihm tätig.

23.05.1678

Valerian Brenner heiratet in Günzburg und läßt sich dort als Maurer und Baumeister nieder.

1682

Michael Thumb beginnt den Bau der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg über Ellwangen und wendet dabei, wie auch in der 4 Jahre später begonnenen Stiftskirche von Obermarchtal das sog. Wandpfeilersystem an. Er hat diesen Typ zwar nicht erfunden und der ist auch nicht ausschließlich bei den Vorarlberger Baumeistern zu finden, kam jedoch bei ihnen in der Folge so oft zur Anwendung, daß später der Begriff "Vorarlberger Münsterschema" geprägt wurde.

1684

Valerian Brenner baut bei der Wallfahrtskirche Biberbach den Gemeinderaum als Tonnen-Kreuzarm.

1686

Michael Thumb baut in der oberbayerischen Wallfahrtskirche Grafrath wieder einen Tonnen-Kreuzraum und beginnt die Stiftskirche in Obermarchtal wie 4 Jahre zuvor die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg über Ellwangen als Wandpfeilerhalle.

1686 - 1688

Nachdem die Wallfahrt auf dem Rechberg derart zugenommen hatte, daß auch die inzwischen schon wieder 200 Jahre alte Steinkirche zu klein wurde, veranlassen Graf Bernhard Bero von Rechberg und dessen Sohn Franz Albert den Bau einer neuen Kirche. Diese entsteht nun allerdings wieder am Platz der ursprünglichen Holzkapelle. Die Steinkirche von 1488 wird zum Pfarrhaus umgewandelt.

Als Baumeister für die neue Kirche wird der in Günzburg ansässige Vorarlberger Valerian Brenner gewonnen. Er wählt auch hier den Typ einer Saalkirche mit sich kreuzendem Tonnengewölbe auf dem Grundriß eines griechischen Kreuzes (= Kreuz mit 4 gleich langen Armen).

Die Grundsteinlegung zur neuen Kirche findet am 22. April 1686 in Gegenwart der Gesandten der Bischöfe von Konstanz und Augsburg statt. Vermutlich gehörte der Rechberg bis zu diesem Jahr zum Bistum Augsburg, nach 1686 aber definitiv zum Bistum Konstanz.

1687

Baumeister Valerian Brenner ist als Palier unter Michael Thumb an der Prälatur des Chorherrenstiftes Hl. Kreuz in Augsburg beschäftigt und bleibt ab diesem Jahr in Diensten des Augsburger Domkapitels.

19.02.1690

Baumeister Michael Thumb stirbt etwa 50-jährig in Bezau im Bregenzerwald.

1692

Valerian Brenner wird als Fürstbischöflicher Augsburgischer Baumeister genannt.

1699

Graf Adalbert von Rechberg stiftet ein beständiges Benefizium. Zwar kommt die Errichtung der Pfarrei jetzt noch nicht zustande, aber der Grundstein für die heute noch bestehende Pfarrstelle ist damit gelegt.

1708

Valerian Brenner ist in Günzburg Mitglied des "inneren Rates" der Stadt.

27.04.1715

Baumeister Valerian Brenner stirbt im Alter von 63 Jahren in Günzburg.

18.06.1726

Graf Alois Clemens von Rechberg stiftet die Kaplanei erneut und stattet sie durch Widerruf der alten Stifung besser aus.

1746

Der Vorarlberger Baumeister Peter Thumb (geb. 18.12.1681 in Bezau, Sohn von Michael Thumb, dem Lehrmeister von Valerian Brenner) errichtet mit der Birnau am Bodensee ein Meisterwerk der deutschen Rokoko-Architektur.

1755-57 / 1761-64

Peter Thumb und Johann Michael I. Beer von Bildstein (geb. 1696 in Au) erstellen mit der Stiftskirche in St. Gallen den letzten großen Kirchenbau der Vorarlberger Barockbaumeister.

15.06.1767

Hohenrechberg wird von Waldstetten getrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben.

29.04.1779

Im Chor der Kirche wird das Bild "Christus im Kerker" von Michael Schuster aus Kellmünz aufgestellt.

18.10.1806

Das Gnadenbild des Hl. Bernhard wird vom Bernhardusberg (774m, ca. 7 km östlich des Rechberges) in die Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg übertragen. Der linke Seitenaltar wird zum Bernhardusaltar.
Diese Bildnis des Hl. Bernhard wurde schon im 17. Jahrhundert in einer Kapelle auf dem Bernhardusberg zum Gnadenbild. Am 21.06.1733 wurde es dort in eine neue geräumige Kirche übertragen. Da diese Kirche nun ab 1809 wieder abgebrochen wurde, kam das Gnadenbild in die Kirche auf den Hohenrechberg. Auf dem Platz der ehemaligen Kirche auf dem Bernhardusberg errichtete Graf Otto von Rechberg im Jahre 1880 wieder eine Bernharduskapelle, das Gnadenbild verblieb jedoch auf dem Hohenrechberg.

1807

Das Dorf Rechberg aus den Teilen Hinter- und Vorderweiler kommt bei der Auflösung der selbständigen Ritterkantone zum württembergischen Oberamt Gmünd.

06.01.1865

Die nie eingenommene Burg Hohenrechberg wird während eines Wintergewitters von Blitz getroffen und durch das ausbrechende Feuer zum Teil zerstört.

1947 ff.

An der Wallfahrts- und Pfarrkirche auf dem Hohenrechberg werden die Kriegsschäden am Kirchendach behoben und neue Kirchenfenster beschafft.

1961-63

Unter Leitung von Josef Lutz aus Leutkirch wird zunächst eine gründliche Innenrenovierung und anschließend eine Außenrenovierung der Kirche durchgeführt.
Bei den Arbeiten für die Heizungsanlage kommt eine kleine ummauerte Grabgruft zum Vorschein, in der sich ein 1,80 m langer und 80 cm breiter Sarg befindet. Dieser ist an 8 Stellen mit einem plastischen Kopf verziert. Die Strenge der Darstellung weist eher in die Renaissance als ins Barock, so daß der Sarg vermutlich schon vor der Errichtung der heutigen Kirche hier eingemauert wurde. Außerdem findet man 50 cm unter dem heutigen Bodenniveau einen Plattenboden, aus den gleichen Schamottsteinen gemauert wie die Grabgruft. Dieser wird als Fundament des Vorgängerbaus angesehen. Das würde allerdings bedeuten, daß es zwischen der ursprünglichen Holzkapelle und der heutigen Kirche einen weiteren Bau an dieser Stelle gegeben hätte.

20.08.1964

Erwerb des Taufbrunnens aus der Pfarrkirche zu Reichenhofen im Allgäu, der vermutlich um 1775 entstand.

1967-68

Einbau einer neuen Kirchenorgel durch die Firma Paul Köberle.

1975

Die Gemeinde Rechberg wird Ortsteil der Stadt Schwäbisch Gmünd.


Dieter Meyer, April 2007
Unter primärer Verwendung der
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